Die beste Zeit der EAV

Da Thomas Spitzer im Interview sagte, dass für ihn die “ersten sieben mageren Jahre” die eigentlich interessante Zeit für ihn war, würde mich mal interessieren, was für Euch die beste, interessanteste oder prägendste Zeit der EAV war!

Bei mir sind es zwei Zeitspannen:

- Die Anfangszeit, da die EAV Sex, Drugs and Rock’n’Roll lebte und ein sehr politisch/kabarettistisch angehauchtes Programm im alternativen Untergrund voller Tatendrang und Kreativität spielte.
- Die Zeit um “Neppomuk’s Rache”. Hier spielt wahrscheinlich eine Rolle, dass das die Zeit war, in der ich die EAV erstmals richtig massiv als Fan begleitete und die EAV zum ersten Mal als echte Popstars verehrt habe. Die EAV war in der Zeit auch schlichtweg am Pophimmel und das mit so wahnsinnig aufwändigen Kostümen, Requisiten und Musikvideos. Das Konzept “Comic auf der Bühne” war hier perfektioniert, wie ich finde.

Was ist eure beste Zeit der EAV?

Der Zeitraum 1983 - 1991.
Hab’ ich (Jahrgang 1985) erst im Nachhinein mitbekommen und nicht live erlebt(bzw. wahrgenommen), aber die 80er Jahre finde ich allgemein sehr interessant und toll, und in der Zeit hatte die EAV das, was mich schon als kleinen Bub’ begeisterte und was mich dann auch Jahre später wieder komplett umgehauen hat:
- Sie sprühte vor Kreativität,
- die Musik war eingängig, verspielt und in beinahe jedem Lied waren so viele Einfälle verpackt, dass auch nach oftmaligem Hören
noch Sachen zu entdecken waren und die Stücke einfach nicht fad wurden. Intelligent, unschuldig, boshaft --> Passt! :slight_smile:
- Der Eindruck, der sich bei Auftritten und Interviews aufdrängt: Das sind charmante, unangepasste Chaoten.
- Die schräge Inszenierung (“Ulk, Klamauk, Verkleidung, Kostüm, Show etceteraaaaa”).
- Und auch der Eindruck: Das ist ein verschworener Haufen.

Das alles war für mich einmalig und einfach grandios. :slight_smile:

Ganz einfach für mich 2003-2010, weil die EAV einfach sehr viel rockiger wurde und mit Frauenluder (meine Nummer 1) und NHBDL zwei sehr starke Alben veröffentlicht hat, die diesen ganzen Unsinn ála Ding Dong etc. nicht enthalten. Mir gefallen die weniger bekannten, ernsteren Lieder der EAV besser als diese Blödeleien (dazu zähle ich auch Küss die Hand, Copacabana, Märchenprinz etc.), die von 1998-2002 ihren Höhepunkt erreicht hatten (Himbeerland ist grauenhaft).

Außerdem wurde die Band mit dem Einstieg von Robert am Schlagzeug erst zu einer richtig guten Live-Band. Anders Stenmo war kein guter Drummer und hat live die Songs oft überhaupt nicht rübergebracht. Die Auffrischung mancher alter Songs, wie z.B. die Rockversion von Fata Morgana oder die Funkversion vom Märchenprinz übertrumpfen die original Studioversionen auch bei weitem. Also für mich ganz klar, die letzten 10 Jahre, obwohl ich außer dem Debüt, Café Passé und dem Käse zwischen 1998 und 2002 alle Studioalben mag.

Und ich habe gerade die allgemein geltende desolate Phase der EAV (also 1996-2001) als die für mich intensivste Zeit als EAV-Fan in Erinnerung. Was hatte ich für einen Spaß mit “Im Himmel ist die Hölle los!” und “Himbeerland”! Fast jedes Wochenende waren Karaoke-Abende mit meinen Sandkastenfreunden die feste Regel. Für mich waren die beiden Alben immer wie Zwillinge, auch wegen der ähnlichen farbintensiven Kolorierung auf dem Cover. Heute gesehen sind das die zwei fiesesten und eingängigsten Alben der EAV finde ich. Und ich hab mich immer so gefreut, wenn mein Spezi seine “Watumba”-CD vorbeibrachte, dann haben wir EAV-Alben getauscht, als wären es Pokémon-Karten oder so Sammlerzeugs von damals. Highlights waren auch die ganz seltenen Live-Auftritte im TV zu der Zeit, und es war mir wurscht ob es der “Let’s Hop-Medley” zu Gast bei DJ-Ötzis Ballermann Party war. :wink: Diese knallbunte und zugleich ungewisse Phase habe ich als aufregend erlebt. Die EAV hat durch ihre konstant gebliebenen Genialität und Kreativität der 80er mit großem Erfolg den Popmusikmarkt auf den Kopf gestellt, für mich muss sie seitdem niemanden mehr was beweisen. Die späten 90er Jahre waren genau der richtige Zeitpunkt für Partymucke und Zurückhaltung. :sunglasses:
Musikalisch interessanter allerdings ist für mich “Spitalo Fatalo” mit der sehr niveauvollen Abwechslung und “à la carte”. Beim Durchlauf von “à la carte” kann man richtig raushören, wie gut sich die Band damals verstanden hat und Spaß am Experemtieren hatte. Echte Musiker, die zusammen in Kneipen abhingen und die Gesellschaft mit den Blick eines einfachen Bürgers durchschauten. Das Album war mir schon immer sehr sympathisch, weil es wirklich so klingt, als wollten sie die Masse gar nicht ansprechen sondern ihr ganz eigenes Ding zusammen drehen. Anarchistisch, ungeschliffen und kunstvoll war diese Zeit.

Für mich 2003-2009 weil die songs von frauenluder und amore xl ziemlich auf mein leben zutrafen bzw noch immer zutreffen. gefallen tun mir alle alben (jaa auch himbeerland hat seinen reiz :wink: ) aber diese beiden alben besonders vor allem wegen den texten und auch wegen der rockigen gestaltung

Die ZEit zwischen 1990 und 1997 da es die kreativste Zeit von Thomas war. Die Texte von Nie Wieder Kunst, die musikalische Vielfalt von IHidHl und das durchgehend hohe Niveau von Neppomuks Rache von Watumba. Das wurde selten danach (und auch vorher) erreicht.

Bei mir sind das drei Dekaden:

1978 - 1984: Unglaublich interessante und schöne Phase, die ich aufgrund der zu späten Geburt leider nicht miterleben durfte :wink:. Eine rebellische, durchgeknallte EAV irgendwo zwischen gelebtem Rock’n’Roll und Polit-Kabarett (auch wenn Klaus diesen Begriff nicht gerne hört :wink:). Ich verstehe Tom absolut, wenn er sagt, dass das für ihn die spannendste Phase der EAV war!

1994 - 1998: Die Pause nach ihrer Hit-Zeit tat der EAV sichtlich gut. “Nie wieder Kunst” gehört bis heute zu meinen absoluten Lieblingsscheiben. Schrill, bunt, kreativ! “Im Himmel ist die Hölle los”, welches lange Zeit eines meiner Lieblingsalben der EAV war, konnte aus meiner heutigen Sicht nicht mehr ganz mit seinem Vorgänger mithalten, war aber dennoch richtig gut, vor allem in Verbindung mit der Live-Show. Dieses diabolische Konzept liebe ich bis heute, auch wenn man’s auf dem Album ruhig noch etwas mehr hätte ausreizen können :wink:. Und “Himbeerland” halte ich bis heute für eine sehr gelungene Parodie auf den deutschen Schlager, auch wenn die Geister sich hier scheiden :wink:.

2003 - heute: Mit “Frauenluder” wurde nach ziemlich langer Durststrecke eine neue Ära eingeläutet und mit der “100 Jahre EAV”-Tour wurde auch erstmals seit der “Himmel & Hölle”-Tour wieder eine wirklich vernünftige EAV-Show auf die Bühne gebracht. Einem EAV-Einsteiger würde ich vermutlich als erstes die “100 Jahre EAV”-DVD zeigen, da diese Show der Band einfach wieder gerecht wurde und sich die Jungs da so herrlich selbst abgefeiert haben! Die nachfolgenden Alben “Amore XL” und “Neue Helden brauch das Land” und die dazugehören Shows sprechen denke ich ebenfalls für sich. Auch die aktuelle “Best Of Show” ist trotz dem Unding, dass Tom hier fehlt, wirklich hochwertig gemacht und das Publikum bekommt was geboten fürs Geld. In die Richtung kann’s gerne noch mehrere Jahre weitergehen :slight_smile:! (…auch wenn auf jedem Konzert ohne Tom immer zwei Herzen in meiner Brust schlagen…)

Ich möchte übrigens noch hinzufügen, dass die Neppomuk-Tournee, die in keine der von mir genannten Dekaden fällt, trotzdem unvergleichlich war (ich kenne sie leider nur vom Video) und bis heute Maßstäbe gesetzt hat! Vom Show-Aufwand mit Sicherheit bis heute DAS Highlight in der EAV-Geschichte!

Für mich ist das die Zeit von “Spitalo Fatalo” bis “Geld oder Leben”. Mir geht es da ähnlich wie Flachzange: für mich ist das die kreativste aber auch unverkrampfteste Phase der EAV. Man merkt richtig, wieviel Spaß ihnen das gemacht hat ohne sie irgendwelchen Zwängen und Druck unterlagen. Die Zeit davor ist einfach nicht meins, da haben sie meiner Meinung nach noch zuviel “politische Botschaft” auf der Flagge stehen. Wobei das nicht missverstanden werden soll, ich habe da im Prinzip nicht dagegen. Aber es stand meiner Meinung nach zu sehr im Vordergrund und hat den Spaß raus genommen.
Die Zeit danach ist die Zeit, wo sie meiner Meinung nach unter Erfolgsdruck standen. Da hat man das Gefühl, dass sie weiterhin Hits abliefern wollten / mussten und es sind immer wieder Kompromisse dabei. Neppomuks Rache zum Beispiel gefällt mir recht gut - wenn da nicht so “Hits für alle” wie DingDong mit drauf wären.
Auch “Nie wieder Kunst” war lange Zeit eines meiner Lieblingsalben, aber irgendwie verbinde ich das inzwischen immer mit “den Anfang vom Ende”.
Die nächste Phase geht für mich bei Frauenluder los. Aber da fehlt mir einfach der Spaß an der Sache. Das wurde mir zu sehr auf “ernst” gemacht. Da hab ich auch im Prinzip nichts dagegen. Aber es wurde mir wieder zu verkrampft auf “ernst” gemacht.

Ja, wenn ich mir eine Zeit zurück wünschen würde, dann ist das die 83 - 86. Vier Jahre bei der Gesamt-Schaffenszeit :question: Ich bin gerade etwas erschüttert über mich selbst.

Ui, eine ganz schwierig zu beantwortende Frage - bzw. eigentlich nicht unbedingt schwierig, aber zumindest gibt es unterschiedliche Phasen, die auf ihre je eigene Weise einen unglaublichen Reiz auf mich ausgeübt haben…
Kennengelernt habe ich die EAV 1986 mit “Geld oder Leben” - und nimmt man “Liebe, Tod und Teufel” dazu, kann ich mich bis heute an keine EAV-Zeit erinnern, die eine derartige Faszination auf mich ausgeübt hat! Hat wohl sicher auch viel mit meinem zum Veröffentlichungszeitpunkt von GoL zarten Alter von 10 Jahren zu tun, in welchem mich diese Mischung aus Kostümen, Texten, Musik, Shows… - einfach der Gesamteindruck, den die Jungs abgeliefert haben, so dermaßen berührt und fasziniert hat, dass es ganz schwer in Worten zu beschreiben ist. Bei der Pinguin-Tour hab ich die EAV das erste Mal (noch in Begleitung meiner Mutter… :wink: ) live erlebt und das war zu dem Zeitpunkt sicher eines der nachhaltigsten Erlebnisse meines Lebens! :slight_smile: Also, in diesem Sinne würde ich sagen, dass das für mich - von der Art des Erlebens her - die beste und faszinierendste Phase der EAV war! Auch die Besetzung der Band zu diesem Zeitpunkt ist für mich bis heute die beste und authentischste aller Zeiten - ja, Anders Stenmo oder auch Eik Breit waren keine außergewöhnlichen Musiker, aber sie haben die Idee, das Lebensgefühl EAV, mit jeder Faser ihres Körpers gelebt und ausgestrahlt! Und ohne Anders Stenmos parodistische Darbietungen wäre die EAV nie die EAV gewesen!
Diese ganze Faszination, die mich in dieser Phase gepackt hat, hat bis Mitte der 90er Jahre noch nachgewirkt, obwohl die Phase nach “Liebe, Tod und Teufel” und vor “Nie wieder Kunst” musikalisch und textlich insgesamt eine eher mittelmäßige war (ausgenommen die großartige Neppomuk-Tour, die zweite Tour, in der ich die EAV live erleben durfte!) - ich muss allerdings auch Karli recht geben, dass “Nie wieder Kunst” dann für einiges entschädigt hat: großartiges, oft zu sehr unterschätztes Album!

In der Phase nach “Nie wieder Kunst” bis 2003 bin ich dann zwar immer am Ball geblieben, war aber auch ein wenig “EAV-müde”, wenn man das so nennen darf - die ganz große Faszination ist da ausgeblieben. Und dann kam “Frauenluder”, ein Album, das mich absolut umgehauen hat! Musikalisch seitdem für mich ohne Frage die beste EAV aller Zeiten (ich steh auch viel eher auf die rockigen Sachen der Jungs), textlich in vielfacher Hinsicht zumindest tendenziell ein wenig “back to the roots” - womit wir bei der Phase vor 1985 wären:

Mit dieser Phase habe ich mich ganz stark vor allem zwischen 1988/89 und 1995 beschäftigt, als es mit “Neppomuks Rache” und “Watumba” im Vergleich zu der vorher ausgeübten Faszination ein wenig bergab ging. Die Phase mit “Café Passé” und “Spitalo Fatalo” ist für mich textlich und von der Botschaft her das Beste, das die EAV jemals gemacht hat - und das ging meines Erachtens auch nur mit der damals existierenden Besetzung, ganz egal, ob es sich dabei um Mörderdrummer gehandelt hat oder nicht… :wink:

Also, um es mal zusammenzufassen, es gibt für mich drei wesentliche Aspekte, die für mich die EAV ausmachen und für die ich die EAV liebe. Das sind:
- erstens: die politische EAV - und dafür steht für mich die Phase 1980 bis 1983 an allererster Stelle, gefolgt von der Zeit seit Frauenluder;
- zweitens: der ganze eigene musikalische Stil der EAV. Diesen hat sie eigentlich zu jedem Zeitpunkt verkörpert, am hochwertigsten aber klar mit der Phase seit Frauenluder, weil seitdem einfach die besten Musiker dabei sind;
- drittens: der Stil, das Erscheinungsbild der Band - und in dieser Hinsicht wird meine kindliche Faszination aus der Phase 1986 bis 1988 nie zu toppen sein! :wink:

Aus all diesen Gründen ist wahrscheinlich auch “Spitalo Fatalo” bis heute das für mich beste Album aller Zeiten der EAV, weil es diese 3 Faktoren wohl am besten vereint hat: textlich sowieso das Beste, was die Jungs je gemacht haben, musikalisch für mich eigentlich auch (obwohl die Umsetzung mit der heutigen Besetzung natürlich noch grandioser klingen würde), und vom Auftreten und den Kostümen her in gewisser Weise schon die vorgezogene Geburtsstunde der ein paar Jahre später folgenden großen Shows!

Ich finde die Alben Spitalo Fatalo und Á la carte sehr gut, hab zufällig gerade erst Total Verunsichert angehört :wink: Wie schon erwähnt, ich mag eigentlich fast alle Alben, nur die “Hits” darauf skippe ich immer, weil ich sie nicht (mehr) hören kann und das für mich nicht die EAV ist. Ich stehe gerade auf das Kritische und Ernste, weshalb ich denke, dass Songs wie Ding Dong oder Drei Weiße Tauben weit unter dem Niveau der EAV sind. Übrigens finde ich ja nicht alle Blödellieder schlecht, nur die, die völlig ohne Aussage sind. Watumba, Nie Wieder Kunst oder Im Himmel Ist Die Hölle Los sind meiner Meinung nach großartige Alben, sofern die Songs darauf eben was aussagen. Hildegard z.B. ist einer meiner Lieblingssongs, nicht zuletzt wegen den genialen Reimen und dem Thema des Eheschwindels. Musikalisch gefällt mir aber einfach die “neue” EAV viel besser, dank viel Stromgitarr’ (ohne Jodler :wink: ) und harten Schlagzeugbeats.

Übrigens ich finde dass wir momentan in der schwächsten Phase (zumindest live) sind. Versteht das nicht falsch, ein EAV Konzert ist einfach geil, aber seit 2005 ist die EAV live nur noch Musik und Moderation. Früher gehörte zu einem EAV Konzert auch Sketche, heute sind die EAV halt leider nur Thomas, Klaus und 4 Berufsmusiker. Der Band fehlt ein Parodiemeister à la Eik Breit oder Andy Töfferl. Ich würde eine musikalisch nicht so perfekte Alkparade einem musikalisch perfekten Einmal möchte ich ein böser sein vorziehen.
War jetzt ein wenig offtopic und vielleicht sollte man dazu auch ein eigenes Thema eröffnen, aber ich wollte es mal sagen (schreiben).
PS: Mit dem die 3 eiligen Könige geht es zumindest schonmal wieder in die richtige Richtung.

Ich find’s großartig, wie unterschiedlich hier die Meinungen sind und was für schöne Geschichten dazu erzählt werden! Das zeigt auch, dass hier Leute sind, die eine eigene Meinung haben. Und dass man alle Fans nicht so einfach über einen Kamm scheren kann.

Gerne noch mehr Meinungen zum Thema!

Wenn man “die beste Zeit der EAV” mal weniger aus dem Blickwinkel der Gruppe an sich (Wann hatte man das rundeste Gesamtkonzept? Wann hat man musikalisch am besten harmoniert? Wann musste man sich am wenigsten verbiegen?), sondern aus einem persönlichen Blickwinkel sieht, muss ich sagen, dass ich die Zeit ab 2003 für die beste Zeit der langen Liebe zwischen der EAV und mir halte.

Das hat vor allem drei Gründe:

- Zunächst mal fing mit “Frauenluder” meine EAV-Konzert-History erst richtig an. Ich war zwar 1988 und 1998 schon auf zwei Konzerten, aber im Rückblick ist das natürlich eine geradezu peinlich geringe Zahl :slight_smile: Nun waren in den Jahren seit 2003 natürlich auch einige Sommer-Best-Of-Open-Airs dabei, die objektiv gesehen mit den großen Konzerten der 80er nicht mithalten konnten, aber das war mir im Grunde genommen eigentlich immer egal. Wenn Klaus auf der Bühne stand, war ich glücklich und letzten Endes immer froh, hingefahren zu sein.

- ab Ende 90er, Anfang 2000er konnte man sich dann auch immer mehr im Netz über die EAV informieren und - um das explizit herauszustellen - das Forum nahm Fahrt auf, erst recht ab der Ankündigung von “Frauenluder”. Ohne zu schleimen: Der Austausch mit Euch allen hat die Qualität meines Fan-Daseins extrem erhöht. Heute kann man sich das ja gar nicht mehr vorstellen, aber da ich auch nie in Fanclubs o. ä. aktiv war, hatte ich nie jemanden, um über die EAV zu reden. Das hat mir damals sicher nicht gefehlt, aber heute möchte ich es nicht mehr missen. Danke Euch allen!

- Und last but not least: Vielleicht kann man an der aktuellen EAV ein paar Sachen bemängeln, aber: Alles, was wir an der EAV heute vielleicht vermissen, was früher vielleicht besser war, ist doch noch vorhanden, einiges auf Ton- und Bildträgern, aber alles in unserer Erinnerung. Alles, von dem wir heute schwärmen, haben sie doch immerhin schon einmal gemacht. Wir träumen uns hier ja kein Hirngespinst zusammen, nein: Es GAB Café Passé und Spitalo Fatalo, es GAB die großen Bühnenshows und die Kostüme, es GAB das hochanständige Comeback zu einer Zeit, in der die meisten nicht mehr damit gerechnet hätten. Wir haben heute mehr als jemals zuvor die Möglichkeit, aus einem umfangreichen Verunsicherungs-Opus das auszuwählen, wonach uns im jeweiligen Moment ist. Der Zeitgenosse von 1978 hatte nur die erste Platte.

Die EAV muss sich und uns doch nix mehr beweisen, wir werden sie immer lieben und im Herzen tragen, weil sie einen großen oder übergroßen Teil unseres Lebens entscheidend geprägt haben.

Insofern muss ich sagen, dass ich gerade die beste EAV-Zeit meines Lebens habe.

Du hast die Jungs zwischen ca. 2000 und Sommer 2005 nicht live gesehen, 'ne :wink:? Auch nicht falsch verstehen, denn in meinem damaligen Alter, in dem ich sicherlich noch unbeschwerter und naiver als heute war, habe ich gerade diese EAV-Konzerte sehr genossen. Egal ob die Jungs ohne jegliche Bühnendeko mit ein paar Jackets der vergangenen Jahre in einem Klosterhof, einem Bierzelt oder auf irgendeinem Jubiläumsfest vorwiegend die Songs dargebracht haben, die von den vergangenen Tourneen halt noch so im Repertoire waren: Es war egal! Solange Klaus Eberhartinger, Thomas Spitzer (und zu Beginn dieser Phase auch noch Andy Töfferl) auf der Bühne standen, hatte ich immer das Gefühl: Wow! Das sind wirklich DIE, die ich von den Videos und aus dem Fernseher kenne :mrgreen:! Heute sehe ich diese Gigs natürlich wesentlich nüchterner. Gerade mit der “100 Jahre EAV”-Show hat sich da doch sehr vieles geändert. Plötzlich sah ich live vor mir, was die EAV immer noch für ein wahnsinniges Live-Potential hat. Eine bunte Songauswahl, durchdachte Moderationen, goldene Balustraden und austauschbare Bühnenhintergründe, passende Kostümierung, speziell für die Show programmiertes Licht - all das hatte ich in den Jahren zuvor nicht mehr erlebt! (Generell hatte ich das damals ja eh erst einmal erlebt, nämlich auf der “Himmel & Hölle”-Tour.) Was die EAV heute abliefert, ist absolut professionelles Entertainment, bei dem aber so manche kleinere Spielerei auf der Strecke bleibt. Ich habe diese Parodien und Kabaretteinlagen auch immer geliebt und liebe sie bis heute. Drum bin ich auch sehr erfreut über so was wie das “Krisen-Medley” oder die “eiligen drei Könige aus dem Sorgenland”. Da kommt ein Hauch von “damals” rüber :wink:. (Meine Fresse, bin ich retro!)

Ansonsten möchte ich mich Florian anschließen: Es GAB (und GIBT auf Bild- und Tonträgern) die Vergangenheit der EAV ja :slight_smile:! Mein einziger Wehrmutstropfen dabei ist nur, dass ich das leider nicht aktiv miterlebt habe. Ich habe die alte Besetzung nie live erleben dürfen. Und kurz vor meinem ersten EAV-Konzert erlitt Anders Stenmo dann auch noch seinen Gehörsturz (ist halt dumm gelaufen), sodass ich von der “Hit-EAV” nur noch Klaus, Tom und Andy live gesehen habe. Drum gebe ich die Hoffnung auch nicht ganz auf, dass sich ein Eik Breit oder ein Mario Bottazzi vielleicht doch noch irgendwann mal wieder auf eine EAV-Bühne verirrt :wink:

Huy stimmt, das habe ich vergessen. :smiley:
Ok ich sage seit 1998 klammere aber die 100 Jahre EAV Tour aus, da diese Tour wirklich genial war. (zumindest laut DVD.) :smiley:
Mein erstes Konzert war übrigens im Sommer 2010. Ich bin einer wohl einer der “jüngstens” Fans hier drin.

Ich muss sagen, dass mir die Forumsgemeinschaft auch einen Riesenschub in Sachen EAV gegeben hat. Ich hab damals eigentlich nur für mich selbst eine kleine Website über die EAV gemacht, weil ich mir dachte, dass sonst das Internet nicht vollständig ist. Und einige Zeit später bin ich dann auch in das Forum eingestiegen. Dass sich dadurch so viele interessante Gespräche ergeben und man so viele tolle und interessante Leute kennenlernt, hätte ich niemals gedacht. Insofern ist die Phase ab “Frauenluder” für mich auch eine richtig tolle Zeit. Das Mitleiden mit der EAV, das Freuen über das Wiederaufstehen, das Begleiten der vielen Experimente der EAV, das war und ist schon toll. Dass eine Band nach über 30 Jahren noch so viel experimentiert und immer wieder Neues ausprobiert, finde ich bewundernswert und ganz und gar nicht üblich. Und das beste an der aktuellen Zeit ist natürlich: Wir wissen nicht, was noch kommt!

Boleroboy hat es (wie so oft) in die schönsten Worte gepackt. Besser kann ich es nicht sagen:

Das lerne ich auswendig - danke Flori! :slight_smile:

Aber zurück zur Frage: Für mich sind die Jahre 1977 bis 1988 besonders spannend. Davon habe ich aktiv nichts mitbekommen, da ich erst 1988 zum ersten Mal (bewusst) von der EAV gehört habe. In den ersten zehn oder elf Jahren sprühte die EAV vor Kreativität. Mir fällt keine Doppelung ein, ständig haben sie Neues präsentiert. Unfassbar, wie man innerhalb so kurzer Zeit einen solchen Output haben kann. Zudem ging es in diesen frühen Jahren für die EAV immer bergauf. Mir schwirrt in diesem Zusammenhang ein Interview mit Tom im Kopf herum, in dem er mal erwähnte, dass man bereits 1988 über ein Ende der EAV erstmals nachdachte. Aus heutiger Sicht würde ich sagen: DAS wäre eine coole Aktion gewesen - dann wären sie heute wahrscheinlich (schon) “unsterblich”. Aus Fan-Sicht bin ich natürlich mehr als froh, dass die Band weitergemacht hat. Und in der Folgezeit gab es immerhin zwei Punkte, die ich als die “beste Zeit der EAV” bezeichnen würde:

Das “Comeback” beginnt für mich nicht mit dem “100 Jahre”-Album, sondern bereits 2003 mit “Frauenluder”. Seitdem hat die EAV mit eben jenem “Frauenluder”, “Amore XL” und “Neue Helden” drei unfassbar gute Studioalben vorgelegt. Womit ich, ganz ehrlich, noch 2002, NIEMALS mehr gerechnet hätte. Von daher: 2003 war vielleicht DAS EAV-Jahr nach meiner Jugend :wink:

Der zweite zu erwähnende Zeitpunkt ist 2008. Ich habe das vielleicht beste Konzert meines bisherigen Lebens in Hamburg erlebt: ein Gig der von mir so heiß geliebten “Amore”-Tour in der Großen Freiheit in Hamburg. Ich habe die Kulissen, die Verkleidungen, die Bühnenshow und die neuen Lieder auf Konzerten zwischen 1999 und 2005 immer sehr vermisst. Dieses Konzert hat mir gezeigt, dass die EAV auch live immer noch extrem relevant ist. Ein wunderschöner Glücksmoment für mich!

Und wenn ich an die beiden Situationen denke, die mich an der EAV haben zweifeln lassen (das Auseinanderbrechen der Ur-EAV 1996 und die schlimmen Jahre, in denen die Band in Richtung Ballermann gedrückt werden sollte) hilft mit immer die Erinnerung: Ich bin jetzt 33 Jahre alt, die EAV begleitet mich seit ich 10 bin. Ich habe es schon irgendwo mal in diesem Forum geschrieben, aber frage mich es immer wieder: “EAV was my first love - will it be my last?” :mrgreen:

PS: Der dritte Wehmutstropfen ist übrigens die Live-Abstinenz von Thomas. Aber ich werde auch das überleben. Auch wenn es nach wie vor sehr traurig ist.

Diesen Satz widerum halte ich für den wohl aussagekräftigsten, wenn es darum geht, meine Beziehung zur EAV auszudrücken - nicht in erster Linie, weil er so schön schwülstig klingt, das auch, aber hauptsächlich, weil er tatsächlich stimmt. Seit Häkelgarn das Kleinod - ich glaube, erstmals im leider nur sehr kurzlebigen Blog - niederschrieb, schwanke ich zwischen Verneigung vor dem anbetungswürdigen Spruch und grimmiger Wut, dass er nicht mir eingefallen ist. :stuck_out_tongue:

EDIT: Ach, sieh mal an, im Vorstellungs-Thread (Häkelgarn) hattest Du den Satz noch in der abgewandelten Version “EAV was my first love / it will be my last” gepostet. In dieser Version hatte ich ihn auch in Erinnerung. Das finde ich fast noch besser, weil er eine vollkommen gerechtfertigte Nibelungentreue* zur EAV ausdrückt. Eine Liebe, wie ich sie - hier aber in anderer, vielleicht auch abgeschwächter Form - sonst nur noch für den Fußball empfinde. Frau hab ich ja momentan keine.

*“Nibelungentreue” sicherheitshalber nochmal gegooglet, Begriff wurde von den Nazis zwar auch verwendet, aber nicht erfunden, also einigermaßen unbedenklich, ihn zu gebrauchen.

Ist es eigentlich bezeichnend, dass eines der hässlichsten Worte in der deutschen Sprache “Beziehung” ist? Wie dem auch sei: Beziehung zur EAV, das trifft es wohl. Es ist ein ständiges Auf und Ab. Immer wieder möchte ich mich lossagen, möchte Abstand gewinnen, möchte mich freimachen von der EAV. Doch desto mehr ich das probiere, desto näher kommt die EAV. Beziehungsstatus: Es ist kompliziert.

Zum Thema “it will be my last”: In jugendlichen Jahren, vermutlich Spätpubertät, sagte ich mal zu einer Schulfreundin, dass ich “Vorbei” als Abschiedmusik auf meiner Beerdigung haben möchte. Das hat die gute ganz schön stutzen lassen, sei es, weil ein pickliger Wicht über seine Beerdigung nachdenkt, sei es, weil “Vorbei” nicht gerade ein freundlicher Abschied ist. Ich muss gestehen, mir ist schon beim Sprechen aufgefallen, dass das Blödsinn ist. :wink: Ich bin ein Meister des Fettnäpfchens.