Schwer verletzt und niemand hilft - mein erlebnis!


#1

Dass ich hier schreiben kann, ist nicht selbstverständlich.
Der Patientenbetreuer, der neben meiner Trage gesessen ist, als ich von einem Spital ins andere transportiert wurde, hat nach meiner Erzählung gemeint “Das war die heftigste und unglaublichste Geschichte, die ich je gehört habe”.
Nachdem es in diesem Zusammenhang viele Missstände gibt, habe ich vor, diese in anonymisierter Form an die Medien heranzutragen, um solche Tragödien in Zukkunft zu verhindern.

Ich bin am Freitag, 21. Juli 2017 im Stadion Center (einem Einkaufszentrum nahe dem Stadion, in dem 2008 Deutschland von Spanien im Finale besiegt wurde) gewesen und wollte danach nicht gleich in die U-Bahn, sondern mich etwas bewegen. So hab ich spontan beschlossen, einen Spaziergang durch die Grünanlagen des Praters zu machen und dann erst am Bahnhof “Praterstern” in eine S-Bahn oder U-Bahn zu steigen. Bevor man diesen Bahnhof erreicht kommt man aber zunächst noch am bekanntesten Teil des Praters vorbei, dem “Wurstelprater”, also dem Vergnügungspark mit Kirmescharakter, der völlig im Kontrast zum vielfach grösseren “grünen Prater” steht.

Da ist mir dann aufgefallen, dass wieder dieses “Prater Festival” veranstaltet wird, das es 2016 zum ersten Mal gegeben hat - eine Ansammlung von winzig kleinen Bühnen quer durch den Vergnügungspark.

Irgendwann - da müsste es schon nach 23 Uhr gewesen sein - ist mir ein junger Bursche aufgefallen, der auf einer Sitzbank gesessen ist und mit dem Oberkörper nach vor gehangen ist. Wäre ich nicht spontan bei dieser Veranstaltung gewesen, hätte ich sicher wen dabei gehabt und wir wären einfach weiter gegangen, so aber hab ich beschlossen, nachzuschauen, ob der Hilfe braucht.

Er war alkoholisiert und hat nicht gewusst, wo er ist und wie er dort hingekommen ist. Sein Geld war weg. Nach einiger Zeit hat er ständig seinen anrufenden Freund beschimpft und mir erzählt, dass dieser jetzt eine Freundin hat und er keine Zeit mehr für ihn hat und dass er sich wichtig macht. “Ich bin so fett und so schiach (=hässlich)” hat er mir gesagt und deswegen findet er keine Freundin. Mir ist er allerdings eher schlank vorgekommen.

Am Telefon gesprochen haben sie auf persich und er selbst ist aus Afghanistan, 17 Jahre jung, spielt Klavier und Keyboard und ein wenig Gitarre. Er lebt seit 2 Jahren in Österreich, welches das beste Land Europas sei und weswegen er schon immer unbedingt hier her wollte. Wo seine Tante lebt und ob er bei ihr oder wo anders lebt, weiss ich nicht, jedenfalls soll er in Wiener Neustadt zu Hause sein. In dieser Nacht hätte er bei seinen Freunden in Floridsdorf (in Wien) übernachten sollen, darunter auch der Freund, mit dem er zerstritten ist. Überhaupt hat er gesagt, dass er sich mit seinen Freunden zerstritten hat.

Ich hätte gemeint, er wäre schon sein Leben lang in Österreich, weil er fast perfekt und in irgendeinem Dialekt geredet hat, wie wenn es das nie lernen hätte müssen.

Mit meinem Angebot für ein Gratis-Mineralwasser hat er sich überreden lassen, mit mir mit zu gehen, damit er zum Bahnhof findet. Dass sich sein Freund Sorgen machen muss - wie ich die ständigen Anrufe von ihm gedeutet habe - hat er nicht glauben wollen. Irgendwann dazwischen hat er mich gefragt, ob ich eine Leerstelle für ihn habe und ich hab gemeint “Nein, ich kann dir nur den Weg zum Praterstern anbieten”. Und immer wieder hab ich versucht, ihn dazu zu bewegen, zu seinen Freunden zu fahren.

Am Haupteingang zum Vergnügungspark ist ein ebenfalls alkoholisierter Mann mit leichter Fortbewegungsproblematik in unserer Nähe gewesen. Der Afghane hat ihn angeschaut, wodurch der sich wohl begafft gefühlt und gesagt hat “Willst nicht auch gleich ein Foto machen?”. Dann ist der Afghane auf diesen Menschen losgegangen und wollte ihn verprügeln. Zum Glück hat sich dieser wehren können und auch dessen Begleiter hat ihn abgewehrt und ihn danach umarmt und gemeint, dass es doch ein schöner Abend sei und man nicht so ausrasten muss und sich auch noch nett verabschiedet.

Ich wollte da eigentlich schon still und heimlich verschwinden, bin dann aber geblieben und hab gemeint, dass das jetzt aber schon etwas übertrieben war und er hat darauf gemeint “Ich lass mir nichts gefallen. Wenn mir jemand blöd kommt, hau ich ihn”.

Vor dem Bahnhof “Praterstern” in Richtung Strassenüberquerung zum Riesenrad gibt es einen Platz, wo immer viele Personen ferner Herkunft herumstehen und illegale Substanzen verkaufen. Ohne das zu thematisieren, war mir klar, dass er das auch macht, weil er sich - als wenn es sein Stammplatz wäre - zu einer Säule gestelt hat, als würde er auf Abnehmer warten. Es ist mir ja schon seltsam vorgekommen, dass er an einem recht warmen Tag eine Jacke getragen hat. Die meisten Leute waren nur mit T-Shirt unterwegs.

Direkt dort hätte ich nie den Kontakt gesucht, aber so war schon ein wenig Sympathie da und ich wollte ihn davon abbringen, dort zu stehen, sondern weiter zu gehen, was er auch gemacht hat. Nur wollte er weder zu seinen “bösen, gemeinen” Freunden, die ihn im Stich lassen noch gerade aus, mit der Begründung “Da ist ja die Strasse”. Also ist er durch eine Unterführung zurück in den Prater gegangen und hat sich auf eine Bank am Anfang der Prater Hauptallee gesetzt. Dort hat er minutenlang eine Zigarette zum Mund und wieder weggeführt, ohne zu merken, dass sie gar nicht angezündet ist. Dennoch hat er dazwischen immer genüsslich ausgeatmet, wenn er die Zigarette mal aus dem Mund genommen hat. Dann ist er eingeschlafen.

Ich wollte eigentlich schon gehen, weil ich ja alles getan habe, wollte dann aber doch lieber aufpassen, weil ich durch mein Aufwecken die Situation noch schlimmer gemacht habe, weil er vorher immerhin im stark frequentierten, beleuchteten und videoüberwachten Teil des Praters war, jetzt allerdings war er im dunklen Wald, weswegen ich ihn noch ein paar Mal an Schulter und Bein geschüttelt habe, wodurch er aber nicht aufgewacht ist. Ich bin rechts neben ihm gesessen.

Plötzlich sind 3 junge Männer hergerannt, wovon sich zumindest 2 neben mich mit Anlauf auf die Bank geknallt haben, wodurch ich auf den Afghanen gefallen bin und dieser aufgewacht ist. Der ist aufgewacht und hat wohl geglaubt, er wird (von mir) überfallen, weswegen er mich völlig unerwarter verprügelt hat. Alkohol wirkt ja verschieden, er hat sicher die Variante erwischt, wo man sich immer eine gewisse Zeit (30 Minuten, 60 Minuten) alles merkt und dann weiss man nicht mehr, wo man ist und was man kurz vorher noch gemacht hat bzw. wie man hingekommen ist, wo man gerade ist.

Die anderen 3 Männer waren völlig verwirrt, weil sie vermutlich nur damit gerechnet hätten, dass die Angegriffenen auf die Angreifer losgehen, aber dass ein Opfer auf das andere einschlägt, hat sie ihren Plan - sollte es einen gegeben haben - wohl überdenken lassen.
Ob das nun ein Überfallversuch war oder ein übermütiges “Auf eine Bank hüpfen”, jedenfalls haben sie gefragt “Was ist denn mit dem los?” oder “Warum geht der auf den los?”, um ein paar Sekunden später festzustellen “Ja, super, Schlägerei, hau ihn”. Nur einer (ob nun aus dieser Gruppe oder ein Passant) hat gerufen “Hör auf”.

Ich bin öfter gestürzt und wurde an Kopf, Schultern, Rücken etc. geschlagen und dann durch die Unterführung zum Praterstern geflüchtet. Normalerweise stehen dort dutzende Polizeiautos, doch die waren wohl grad alle in der Umgebung im Einsatz.

Weil der Rist an meinem rechten Fuss höher ist, hab ich den rechten Schuh meist etwas lockerer, wodurch ich ihn während der Attacke verloren habe. Im Schockzustand hab ich beschlossen, wieder durch die Unterführung zu gehen und den Schuh zu holen, also quasi wieder in die Höhle des Löwen. Da wurde ich dann nochmal verprügelt, vor allem hab ich da den Schlag mit der grössten Tragweite erhalten - in die Lunge. Schweratmig hat er dann zu mir gesagt “Ich hol jetzt das Messer raus”. Obwohl es mit angegriffener Lunge und generell unter Schmerzen und mit nur einem Schuh schwar war, bin ich sofort wieder zum Praterstern gerannt. Ob seine Stichwaffe nur Einbildung oder Realität war, weiss ich nicht, aber ich wollte mich seinem Messer auf keinen Fall zur Verfügung stellen.

Nach wie vor war aber keine Polizei zu sehen, darum wollte ich mit Leuten in der Umgebung sprechen, aber ich hab mich kaum ausdrücken können und die Leute haben mich wegen meinem völlig zerfetzten T-Shirt wohl für einen Obdachlosen gehalten, den man meiden muss, also bin ich über die Strasse gegangen, quer über die Kaiserwiese vor dem Riesenrad, vorbei an zig Leuten, die sich dort auf Decken aufgebreitet haben und mit dem Kälte- und Nässegefühl, der durch den Socken in meinen Fuss vorgedrungen ist (die Luft war zwar warm, aber das Gras war irgendwie feucht).

Heute weiss ich, dass ich nicht so schnell rennen hätte müssen, weil der eh viel langsamer war. Er ist immer nur in der Unterführung hin- und hergegangen und so bin ich ihm dann schon wieder begegnet, als ich an der Stelle war, an dem alles Schlechte begonnen hat. Nur diesmal hat er mich schon nicht mehr gekannt, es war wohl eine neue “Zeitzone”, wo in seinem Gehirn wieder alles gelöscht war, was davor passiert ist. Er hat nur freundlich gefragt “Mogst ma an blasn?” und ist weiter gegangen, um die Frage anderen Passanten zu stellen. Er dürfte also auf einer Seite der Unterführung Drogen und auf der anderen seinen Körper verkaufen und damit er dass alles halbwegs erträgt, braucht er wohl seinen täglichen Vollrausch, der dann wieder dazu führt, dass ihm das Geld wieder abgenommen wird, wenn er betrunken irgendwo sitzt oder liegt oder er es von selbst verliert.

Ich war nur froh, dass er alles vergessen hat und bin zu einem Paar gegangen, das auf der Nebenbank gesessen ist und hab sie gefragt, ob sie schon länger da sind und was gesehen haben, was leider nicht so war. Meine Bitte, die Polizei zu rufen, haben sie unter der Bedingung erfüllt, dass ich weggehen soll, weil der Typ mit dem Messer sonst zurückkommt und sie vielleicht auch noch angreift.

Kurz danach war ein grosses Polizeifahrzeug da und keine Minute später waren es etwa 8 bis 12 mit wohl insgesamt 50 bis 100 Polizisten. Ich gehe davon aus, dass jemand, der die Schlägerei beobachtet hat, schon vorher die Polizei gerufen hat.

Ich hab zuerst gemeint, dass ich meinen Schuh suche und ein Polizist hat sich umgedreht und ihn gefunden, worauf er sarkastisch gemeint hat “Ich weiss ja, wofür ich bei der Polizei bin”. Nachdem ich keine äusseren, blutenden Verletzungen gehabt habe, bin ich von denen nicht ernst genommen worden und im Schockzustand, hab ich auch nicht geglaubt, dass mir was fehlt, vor allem aber wollte ich, dass sie den Täter (oder die Täter, falls die 3, die das verursacht haben, uns ausrauben wollten) festnehmen, der ja quasi ganz in der Nähe war. Der war ihnen aber egal und ich hab Kommentare gehört wie “Der soll seinen Rausch ausschlafen” (Ich trinke generell keinen Alkohol) oder “Wieder so zwei Ego- Typen, die sich niederhauen”. Ein Polizist hat gemeint “Wieso kommen Sie auch hier her?”, wie wenn man das Gebiet schon aufgegeben hätte und man ja selber schuld ist. In die Unterführung wollte generell niemand rein, weil man da nur zu Fuss oder mit dem Rad durch kann. Somit ist diese Unterführung nachts rechtsfreier Raum. Als ich zum zweiten Mal verprügelt wurde, ist jemand vorbeigegangen, den ich angefleht hab, die Polizei zu holen und er hat gemeint “Polizei ist nicht gut” (hat wohl selber schon Probleme mit dem Gesetz gehabt).

Auch meiner Bitte, die Polizei möge mich wenigstens sicher zum Bahnhof bringen, damit ich dem nicht wieder begegnen muss, wurde nicht nachgekommen. Es hat nur geheissen “Wir haben ein Auge auf Sie”. Das haben sie mir wohl nur zur Beruhigung gesagt, weil sie geglaubt haben, ich bin betrunken und merke nicht, dass das nicht stimmt.
Ganz allein und schwer verletzt bin ich also auf einem schmalen Grünstreifen neben 4 oder 5 Spuren einer stark befahrenen Strasse gegangen und hab zeitweise überlegt, ob ich rüberrennen soll. Weil ich aber nicht gewusst hab, wo ich da hinkomme (vielleicht wieder in den kritischen Bereich) bin ich normal weitergegangen und irgendwie zum Ziel gekommen. In den U-Bahnen auf dem Weg nach Hause hab ich den sich wundernden Passanten über mein Aussehen erklärt und einer hat gemeint, dass da eh nichts sein wird. Ein Migräneanfall mit Aura war natürlich auch inkludiert und ich hab kaum noch was gesehen.

Eigentlich wollte ich schlafen gehen, doch das Liegen war schmerzhaft auf der Brust, also hab ich im Internet recherchiert und mich auch erinnert, dass schon Menschen ganz ohne Schmerzen und äussere Verletzungen etwas später gestorben sind. Darum hab ich mich geduscht (unter Schmerzen, weil jede Bewegung am Oberkörper Hölle war), einen Freund kontaktiert, um mir im Meidlinger Unfallskrankenhaus zur Seite zu stehen. Der Weg dort hin war vor allem an betonierten und sonnigen Stellen sehr beschwerlich und ich hab immer weniger Luft bekommen. Auch die Erschütterungen im Bus waren unerträglich.

Als ganz normaler Patient hab ich mich dort angemeldet und gewartet. Die Dame im Röntgen hat gemeint “Ich will mich ja nicht einmischen, aber das ist komplett unnötig, was sie da machen und eine unnötige Strahlenbelastung, man sieht ja, dass sie nichts haben, sonst könnten sie sich nicht so bewegen”. Ich bin dann auch gefragt worden, ob der Vorfall polizeibekannt ist und ich ja das in der Situation bejaht, aber wohl nicht in dem Sinne beantwortet, wie sie das gemeint hat.

Wieder in einem anderen Raum ist dann diese zuerst skeptische Röntgen-Dame hergestürmt und hat gerufen “Der Patient muss sofort in den Schockraum”. Ich war allerdings nicht geschockt, sondern erleichtert, dass ich nun endlich ernst genommen werde und man meine Behanlungsnotwendigkeit anerkennt. Allerdings wollte ich noch dem Freund Bescheid geben, doch die Röntgen-Frau, die mich vorher noch fast verachtet hat (wohl auch, weil sie soviel Arbeit wegen mir hat) hat mich nicht erlaubt, wegzugehen und den Freund ausrufen lassen. Reingekommen ist eine unbekannte Person und die Frau meint hektisch “Na reden’S mit ihm”, doch ich hab ihr gesagt, dass er das nicht ist und sie hat ihn gefragt “Warum kommen Sie dann rein? Wer sind Sie?” und die Antwort war im Vornamen exakt und im Nachnamen fast gleich, wie der, der gemeint war, er hat sich also verhört und der Richtige ist dann nochmal reingerufen worden und hat dann gemeint, dass er sich zunächst nicht angesprochen gefühlt hat, weil er ja kein Patient ist und dass er geglaubt hat, dass der andere Typ eben exakt den gleichen Namen hat. Mich hat das sehr amüsiert. Die inzwischen besorgt-versammelte Ärzte-und Helferschar nicht, die hätten selber fast in den Schockraum gehört. Ich hab mich dann ganz ruhig und angezogen auf den Rücken legen müssen und mir ist gesagt worden “Wir ziehen Sie jetzt aus, damit wir Sie nicht noch mehr stressen”. Ich hab mir gedacht “Den Stress habt eh ihr, ich war da richtig gelöst und glücklich, endlich kümmert sich wer um mich”.

Heute weiss ich, dass ich es wohl nicht viel länger überlebt hätte. Der linke Lungenflügel war komplett kolabiert.

Nach 7 Nächten im UKH Meidling (wo ich teilweise in Stationen, in die ich geführt worden bin mit “Ah, Sie sind das also, das ganze Haus redet schonüber Sie” begrüsst worden bin), bin ich in die Lungenambulanz des Otto Wagner Spitals überstellt worden, wo ich noch eine Nacht geblieben und gestern geheilt entlassen worden bin.

Sogar im letztgenannten Spital hat es aber noch eine vermeintlich lebensgefährliche Situation gegeben, denn ich war in meinem Zimmer an ein unter Strom stehendes Spezialgerät angeschlossen und wegen der Insekten war das Licht abgedreht. Die Wasserkrüge, die dort verwendet werden, verteilen das Wasser beim Einschenken auf dem ganzen Tisch, wenn man sie mit Deckel verwendet. Fast jeder hat dort angeblich das Problem. In meinem Fall wäre das Wasser aber fast mit dem - zwar isolierten, aber trotzdem - Stromkabel in Verbindung gesetzt und meine Lunge wäre unter Strom gewesen.

Ich bin froh, dass ich es überlebt habe, aber das kann es nicht gewesen sein. Die Polizei hat das nicht verfolgt und weiss wohl bis heute nicht, was mit mir passiert ist und der Mensch dort rennt frei rum und bräuchte eigentlich eine Therapie. Ist wohl schizophren oder bipolar.

Ich hab über Ecken gewisse Kontakte zu den Medien, vielleicht interessiert sich die Polizei dann ja auch für mein zerfetztes T-Shirt (mit DNA-Spuren) und eine exakte Routenbeschreibung durch den Prater, wobei die Kamerabilder vermutlich inzwischen gelöscht sind. Bei all der Info würde ich ihn aber sicher auch allein ausforschen bzw. ihn am Praterstern erkennen, wo er ja häufig zu sein scheint.

Mit Ausnahme der Zeit nach der Geburt war das mein erster stationärer Spitalsaufenthalt und dann gleich sowas Heftiges. Aber alles Schlechte hat ein Gutes: Es kommt dann auch die erste Kur.

Ich hab übrigens im Spital im Halbschlaf und mit Kopfhörer was von Klaus Eberhartinger gehört und hab gleich die Augen aufgemacht und auf meinen kleinen Bildschirm geschaut, weil ich geglaubt hab, er ist sicher verletzt oder gestorben, weil warum sollten sie sonst über ihn berichten. Aber dann war es “nur” diese Auszeichnung. Herzlichen Glückwunsch
:smiley:


#2

Puh, das ist ja wirklich eine heftige Geschichte. Da wird es mir ja gleich ganz anders, vor allem weil wir vor gerade mal 6 Wochen bei unserem Wien-Besuch auch relativ spät genau in dieser Gegend (Praterstern - Prater) waren. Wir sind sogar durch die genannte Unterführung gegangen und haben uns nichts dabei gedacht. Uns wäre jetzt auch nichts aufgefallen. Aber vielleicht sieht man das als “Tourist” etwas naiver…
Zunächst muss ich aber sagen: Hut ab, dass du dich so um den offensichtlich Hilfsbedürftigen gekümmert hast. Das machen bestimmt nur ganz, ganz wenige Menschen. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich es wahrscheinlich auch nicht gemacht hätte. Man ist schon sehr in einem “Misstrauens - geht mich nichts an”-Trott drin. Dein Verhalten nötigt mir wahnsinnigen Respekt ab.
Allerdings muss ich sagen, dass bei mir bei dem Punkt, als dein “Zögling” eigentlich ohne triftigen Grund auf andere los gegangen ist, Schluss gewesen wäre. Wenn ich eines nicht tolerieren kann, dann ist das Gewalt und Aggressivität, wenn es sich nicht gerade um Selbstschutz handelt. Ich glaube, da hätte ich mich dann abgesetzt und hätte die Polizei gerufen, weil dieser Typ ja offensichtlich Hilfe professionelle benötigt hat und eine Gefahr für andere war. Aber das sagt sich natürlich leicht, wenn man nicht selbst in der Situation steckt.

Allerdings tun sich mir beim Durchlesen ein paar Fragezeichen auf, drum bitte nicht übelnehme, wenn ich ein bisschen nachhake. Das liegt nur daran, weil ich immer alles genau verstehen will.

  • Du sagst, dass Aufgrund der Schlägerei 50 bis 100 Polizisten angerückt sind. Das ist ja schon Großaufgebot - Wahnsinn. Und dann interessieren sich diese Menge an Polizisten gar nicht groß für dich?? Und sie fragen auch nicht, wer angerufen hat (das müssen ja Zeugen der Schlägerei gewesen sein) und befragen Passanten? Und sie kümmern sich auch nicht um dich und nehmen eine Aussage auf? Wozu sind die dann in so einer Anzahl gekommen? Betriebsausflug wird es ja nicht gewesen sein - war da noch etwas anderes los?

  • Hast du bei den ankommenden Polizisten nicht irgendwie Anklage gegen den, der dich verprügelt hat, erstattet? So wie ich es verstehe, sind die ja extra deswegen gekommen. Ich kenn mich da nicht so aus, aber muss eine Anzeige nicht auf alle Fälle aufgenommen und dem Ganzen nachgegangen werden - auch wenn die Polizei dem Sachverhalt nicht glaubt? Kam denen dein zerrissenes T-Shirt und dein fehlender Schuh nicht komisch vor? Es kann doch nicht sein, dass man erst ernst genommen wird, wenn man in Strömen blutet.

  • Nachdem du bei deinem Weg ins Krankenhaus mit deinem Freund von “sonnigen Stellen” schreibst - du bist dann also am nächsten Tag ins Krankenhaus gegangen, oder? Wieviel Zeit ist denn dann schon vergangen, seitdem du verletzt worden bist? Hört sich ja nach einem echten Martyrium an…

  • Die Situation in den Krankenhäusern scheint sich wirklich grundlegend verändert zu haben. Als ich das letzte Mal ein Krankenhaus als Patient betreten habe (was wirklich schon lange her ist) konnte ich mich vor Untersuchungen gar nicht retten, weil sich die teuren Geräte ja amortisieren mussten :wink: Das scheint der Sparkurs inzwischen total verändert zu haben.
    Aber was ich nicht verstehe: das Krankenhaus-Personal ist letztendlich total schockiert, als sie sehen, was passiert ist, du wirst sogar zum “Krankenhaus-Gespräch” - aber keiner kommt auf die Idee, das der Polizei zu melden? Es war ja wohl klar, dass du verprügelt worden bist (du hast ja bestimmt zu der kollabierten Lunge auch Prellungen und so gehabt), aber man fragt dich nur, ob der Vorfall polizeibekannt ist und das war’s dann? Müssen die ihren ärztlichen Bericht nicht an ein “polizeiliches Aktenzeichen” weiter geben? Ich kenn mich da überhaupt nicht aus, aber wenn ich mir vorstelle, da kommt einer mit einer Schusswunde ins Krankenhaus, dann hätte ich schon gedacht, dass man sich irgendwie an die Polizei wendet.

  • Du sagst, dass in dem einem Spital jeder das Problem hatte, dass das Wasser beim Einschenken ausgelaufen ist. Hat das denn keiner den Pflegepersonal gemeldet, damit die etwas dagegen tun? Gerade in deiner Situation, die wirklich gefährlich hätte werden können, hätte ich vielleicht mit dem Rufknopf jemanden um Hilfe geholt, damit Schlimmeres in Zukunft verhindert wird.

  • Mir ist jetzt nicht ganz klar, was du erreichen willst, wenn du mit deiner Geschichte in die Medien gehst. Verstehe mich nicht falsch - ich meine die Frage wirklich ernst. Was genau erwartest du dir? Das ist mir beim Lesen der Story nämlich nicht ganz klar geworden.
    Was ich auf Grund der Überschrift verstehe, dass du willst, dass Menschen, die sich in einer Notlage befinden bzw. die um Hilfe bitten, ernst genommen und unterstützt werden. Ja, da bin ich moralisch bei dir. Aber da kommt der oben zitierte “Misstrauens - geht mich nichts an”-Trott. Ich weiß nicht, ob man das auf Grund einer Geschichte in den Medien ändern kann. Man hört so viele Geschichten von allen Seiten (auch mit genau der gegensätzlichen Aussage), man will einfach keine Scherereien und man hat eh keine Zeit… Am Ende geht der Schuss auch genau nach hinten los und es weigern sich noch mehr Menschen zu helfen, nach all dem, was du auf Grund deiner Hilfsbereitschaft erlebt hast.
    Am Ende des Berichts hatte ich das Gefühl, dass es dir eher darum geht, dass dein Angreifer von der Polizei aufgegriffen wird und ihn geholfen wird. Da bin ich auf alle Fälle bei dir. Wenn dein “Schützling” nochmal austickt und Schlimmeres passiert, machst du dir vielleicht Vorwürfe, dass du nichts unternommen hast. Aber du solltest das nicht auf eigene Faust machen, nach deiner Schilderung ist hier professionelle Hilfe notwendig. Ich würde so oder so Anzeige bei der Polizei erstatten. Das ist bestimmt auch jetzt noch möglich. Denn wenn du auf Grund deiner Verletzungen Spätfolgen hast, stehst du sonst total blank da. Ich würde das aber nicht mit einem Bericht in den Medien machen. Denn hier kann dann ganz leicht ein “Da sieht man es ja - alle Ausländer sind aggressiv”-Slogan draus. Und ich hoffe, das ist nicht das, was du als Ziel verfolgst.

Sorry, dass ich jetzt so viel gefragt habe. Ist einfach nur, weil mich deine Geschichte echt mitgenommen hat und ich wirklich alles richtig verstehen will. Und das, was ich dazu geäußert habe, ist alles nur meine subjektiven Meinung, die nicht stimmen muss. Und auch nur von “außen” betrachtet. Wenn man da mitten drin steckt, verhält man sich oft anders, als man denkt.

Insgesamt muss ich sagen, dass es mir echt leid tut, was du auf Grund deiner Hilfsbereitschaft erleben musstest. Ich kann es fast nicht glauben, aber ich hoffe, dass du dir ein Fünkchen deiner positiven Lebenseinstellung behalten kannst. Und dass es dir bald wieder richtig gut geht.


#3

Das ist alles eine recht komplexe Geschichte, die mir nicht so ganz einleuchten möchte. Jedenfalls hoffe ich, dass es Dir gut geht.


#4

So geht es mir auch.
Gestern beim Ziehen der Fäden bzw. davor im Warteraum im Otto Wagner Spital ist mir zudem aufgefallen, dass in einem Schreiben, das im Otto Wagner Spital entsanden ist, fälschlicherweise “Unfallkrankenhaus Mödling” statt “Unfallkrankenhaus Meidling” steht. Hätte ich nicht darauf hingewiesen, hätte man sich wohl in Mödling über mich informiert und festgestellt, dass ich gar nie dort war. Auch die neue Bezeichnung “Prügelei” statt “Überfalll” oder “Gewaltverbrechen” wie im ersten Spital von mir angegeben, ist mir nicht so recht.

Zu den Fragen von s’Muaterl komme ich noch.


#5

Die Unterführung ist nicht gefährlicher oder weniger gefährlich als der gesamte Praterstern, aber das ist der einzige Weg, wo nie Polizei durchfährt. An anderen Orten in unmittelbarer Umgebung gibt es sehr viele Streifenfahrzeuge. Nachdem in der Nacht auch kaum noch Radfahrer und Fussgänger durch die Unterführung gehen, wird einem also unter Umständen sehr lange nicht geholfen, weil niemand was mitbekommt. Abseits der Unterführung würde zumindest irgendein Passant was mitbekommen und vielleicht die Polizei oder Rettung rufen. Eigentlich sollte diese Unterführung in der Nacht geschlossen werden.

Ich hätte es ja fast genau so gemacht und mir war ab diesem Moment auch sofort klar, dass ich ihn auf keinen Fall provozieren darf und ich hab auch nicht das Gefühl gehabt, dass mir später sowas passiert, weil er ja zu mir danach gleich wieder normal und nett war. Er hat sich jedenfalls scheinbar wegen jeder Kleinigkeit extrem gereizt und angegriffen gefühlt.

Ich hab etwa 8 bis 12 grosse Polizeiwagen gesehen und bin davon ausgegangen, dass die alle voll sind und in jedem 9 Personen Platz haben, das kann aber natürlich Fehleinschätzung gewesen sein.

Ob sie mit dem Paar gesprochen haben, das angerufen hat, weiss ich nicht. Wie die Polizei gekommen ist, hab ich gerade meinen Schuh gesucht.

Es ist zunächst nur ein Auto gekommen und etwas später der ganze Rest. Kann sein, dass nicht nur das von mir beauftragte Paar die Polizei gerufen hat, sondern auch schon vorher ein Zeuge der Schlägerei. Möglicherweise hat aber sonst niemand angerufen und sie haben selber Verstärkung geschickt oder angefordert.

Nein, ich hab nichts von Befragungen der Passanten mitbekommen.

Ich hab ihnen in Kurzform erzählt, was passiert ist, aber wer ich bin, wollten sie nicht wissen.
Vielmehr bin ich mit Vorwürfen konfrontiert worden, wie dumm ich nicht sei und dass man sich hier einfach nicht aufhalten sollte (gilt das auch für die hunderten Leute, die in der Kaiserwiese campiert haben?)

Um mir meinen Schuh zu übergeben - das war die einzige Amtshandlung, die ich wahrgenommen habe. Und das war wohl auch nur, weil der Schuh zufällig im Sichtfeld eines der Polizisten aufgetaucht ist.

Die haben wohl geglaubt, da ist eine Riesenschlägerei im Gange, was dort wohl nichts Ungewöhnliches ist. Nachdem ich aus deren Sicht nicht schwer verletzt war, haben sie sich wohl verarscht gefühlt. Ein Polizist hat ja nach der Übergabe meines Schuhs gemeint “Ich weiss ja, wozu ich zur Polizei gegangen bin”.

Ich hab angegeben, dass der sich in unmittelbarer Nähe befindet und nur in der Unterführung hin- und hergeht (ob nun mit Messer oder nicht), aber nachdem sie den Vorfall nur als belanglose Schlägerei von vielen betrachtet haben und sie in die Unterführung auch nicht mit dem Auto kommen, waren die an dem ganzen Fall einfach nicht mehr interessiert. Ich hab ja auch gesagt, dass mir wohl nichts fehlt und ich hab ja auch nicht geblutet. Nicht zu bluten und noch dazu selbst ins Spital gehen können, war ja dann auch im Spital der Grund, warum man da keine Eile gesehen hat, bis das Röntgenbild da war. Übrigens war mein Pneunothorax (so nennt man das in der Fachsprache) auf dem linken Lungenflügel, was es noch gefährlicher macht, weil sich das Herz dort befindet. Ich hätte jederzeit tot umfallen können.

Vermutlich nur, wenn sie die Person für zurechnungsfähig hält. Einer hat ja gesagt “Der soll seinen Rauch ausschlafen”. Ich war für die wohl einfach einer, der aus einer Mücke einen Elefanten macht, weil das im alkoholisierten Zustand eben oft vorkommt und dort ganz besonders.

So ist das aber leider. Wenn ich sogar noch im Röntgenraum (medizinisches Umfeld) lächerlich gemacht worden bin, wie sollte dann die Polizei gescheiter sein.

Verletzt worden bin ich gegen Mitternacht, im Spital für die Erstuntersuchung war ich gegen 11. Als Untersuchungsbeginn ist in meinen Unterlagen 11:49 Uhr eingetragen.

Ich bin von der Röntgen-Frau (oder auch schon davor) gefragt worden, ob der Fall polizeilich bekannt ist und ich hab das mit “Ja” beantwortet und die näheren Umstände des Zusammentreffens mit der Polizei nicht genau erläutert, weil Atmen und Sprechen schon zu anstrengend war.

Ich hab ja erzählt, dass ich verprügelt worden bin, aber es scheint nicht üblich zu sein, dass jemand, der so schwer innerlich verletzt ist, keine blutenden Wunden hat und noch dazu gehen, stehen und reden kann. Diverse Prellungen waren nur am Rücken.

Vielleicht haben sie das eh, aber es hat sich noch kein Polizist mit mir in Verbindung gesetzt, obwohl nur ich weiss, wo ich wann überall im Prater war und wo der erste kritische Vorfall mit dem anderen Mann, auf den der Afghane losgegangen ist. Sie hätten nur bequem die entsprechenden Bilder der Überwachungskameras anfordern müssen. Sollten sie das nicht geten haben (vielleicht, weil sie sich gemerkt haben, wie ich aussehe und selbst suchen), sind die Aufnahmen sicher schon gelöscht. Ich war irgendwie im Nachhinein auch froh, dass scheinbar nichts passiert ist, weil sonst kriegt der vielleicht noch raus, wer ihn angezeigt hat und stattet mir einen Besuch im Spital ab oder schickt seine Freunde.

Ja, dann sicher, aber vielleicht fragen sie da auch nur, ob der Fall bei der Polizei gemeldet worden ist und geben sich mit der Antwort “Ja” zufrieden.

Mir hat ja sogar die Pflegerin erzählt, dass alle Patienten, die diese Krüge verwenden, eine Überschwemmung verursachen. Ich hab mich ja auch geärgert, weil meine ärztlichen Briefe, die ich dann in Ruhe lesen wollte, unter Wasser waren, aber man hat sie noch halbwegs retten und lesbar halten können. Wenn dort Fliegengitter wären, hätte ich das Licht aufgedreht gehabt und das wäre gar nicht passiert. Es war gerade hell genug, um die Vorderseite des Krugs und das Glas zu erkennen, aber, dass das Wasser beim Einschenken an der Innenseite des Deckels nach hinten rinnt und dann dort auch überall runterkommt, hab ich natürlich nicht bemerkt. Ich hab einfach den Deckel ab dann immer weggenommen und vorgeschlagen, sie sollen die Deckel generell entfernen, aber laut Pflegerin bestehen viele Patienten auf den Deckel. Dann sollen sie auf ein anderes Modell umsteigen, wo das nicht passiert. Im Spital hat man ja eh schon genug Stress, da muss man keine zusätzlichen Rutsch-, Stolper oder Stromkreis-Fallen schaffen.

Ich hab erst - als das Licht an war - bemerkt, dass da schon weite Teile des Bodens neben meinem Bett nass sind, aber das Gerät, an das ich angeschlossen war, war noch weit genug weg. Sie haben zwar gesagt, dass die Kabel isoliert sind, aber das Gerät, das mit der Lunge verbunden ist, steht ja trotzdem so rum. Das kann man übrigens - wie ein Handy - abstecken, um z.B. aufs Klo zu gehen. Dann trägt man es so mit sich rum. Ich hätte im Fall des Falles einfach das Kabel rausgezogen.

Mir ist wichtig, dass diverse Abläufe optimiert werden, damit sowas möglichst nicht mehr vorkommt. Zum Beispiel könnte die Rettung automatisch kommen, wenn die Polizei wegen Schlägerei gerufen wird. Dann müsste die Polizei nicht entscheiden, ob es ernst ist oder nicht. Im Schockzustand erkennen viele den Ernst der Lage nicht und wenn die Patienten nach so einem Vorfall gesetzlich gezwungen werden können, sich untersuchen zu lassen, erspart man viel Stress, Leid und Ärger und rettet Leben.

Vielleicht denken manche Menschen in Zukunft genauer drüber nach, ob jemand, der mit einem zerrissenen T-Shirt und ohne Schuh herumläuft, Hilfe braucht und handeln entsprechend. Ich bin ja von vielen gemieden worden, wie mir vorgekommen ist. Auch in der U-Bahn danach, bin ich begutachtet worden und ich hab dann aktiv das Gespräch gesucht und erzählt, was passiert ist (wo ich dann wieder die Hinweise bekommen hab, dass da wohl kaum was Ernsthaftes passiert ist, weil ich ja nicht blute und reden und gehen kann).

Mir geht es aber besser, wenn ich mein Schicksal teilen kann. Ausserdem soll jedes Kind ab jetzt wissen, was ein “Pneumothorax” ist. Seit 2004 weiss auch jeder, was ein Tsunami ist, davor praktisch niemand.

Man muss ja nicht ins Gespräch kommen, aber zumindest schauen, ob jemand noch atmet, muss drin sein. Das mache ich in Zukunft auch so. Wenn er atmet, geh ich einfach weiter, wenn nicht, hole ich Hilfe.

So ist es.
Und vor allem sehe ich den Angreifer in dem Fall als jemanden, der Freund und Feind verwechselt hat. Interessant fände ich die 3 jungen Männer, die das ausgelöst haben. Deren Motivation, also ob die uns überfallen oder nur übermütig auf die Bank springen wollten, würde mich sehr interessieren und dazu wären Zeugen interessant. Die haben ja auch weder geholfen noch Mitgefühl gezeigt, sondern sich an der Schlägerei erfreut. Nur einer hat gemeint, der Afghane soll aufhören. Vielleicht war das ein Passant daneben, vielleicht auch einer der 3 Männer - keine Ahnung. Sie waren aber wohl froh, selbst nicht verprügelt zu werden und falls sie uns wirklich überfallen wollten, sind sie durch diesen Vorfall wohl von ihrem Plan abgekommen.

Ich werde wohl dennoch zuerst einen Auftrag an den ORF schicken, der ganzen Sache mal nachzugehen und zu recherchieren. Die finden wohl auch den Afghanen, der vermutlich sehr häufig dort tätig ist. Würd mich interessieren, ob sie - befragt nach meinem Fall - überhaupt weiter ermittelt haben. Ohne die Kamerabilder kann ausserdem ich ohnehin vielmehr zur Ausforschung beitragen, weil der mir ja alles über sich erzählt hat, sogar seinen Namen und die deutsche Bedeutung desselben. Leider hab ich mir das nicht gemerkt, aber auch sonst weiss ich sehr viel.

Natürlich nicht und deswegen hab ich auch etwas gezweifelt, denn auch ohne Medien kommt so ein kurioser Fall irgendwann an die Öffentlichkeit. Der blaue Stammtisch, den mein Zimmernachbar im Spital oft zu Besuch gehabt hat, war jedenfalls nicht zu ertragen. Die glauben sicher, ich wähle jetzt FPÖ.
:laughing:

Aber ja doch :wink:
Und ich möchte diese Erfahrung - so befremdlich das klingen mag - nicht missen. Aber jedes Jahr brauch ich das nicht.


#6

Danke für die Infos.
Alles Gute für die Zukunft!


#7

Aja, was ich vergessen habe:
Der Grund, warum ich geglaubt habe, es vergeht alles wieder von alleine, war, dass ich als Kind mal von einem Kasten auf den Boden geflogen und auf dem Rücken gelandet bin. Seither weiss ich, dass man auf diese Weise Probleme mit der Atmung bekommt. Nachdem ich ja bei diesem Vorfall mindestens einmal gestürzt bin, hab ich es für realisitsch gehalten, dass ich auf den Rücken gefallen bin und deswegen Atemprobleme gehabt hab. Nachdem ich aber wohl in einem ziemlichen Adrenalinrausch drin war, weiss ich gar nicht mehr, ob ich überhaupt auf den Rücken gefallen bin und ich hab auch in der Nacht noch überlegt, ob ich eigentlich von dem angekündigten Messer gestochen worden bin. Das hat es aber wohl nie gegeben.

Ich warte jetzt einmal bei der Klimaanlage ab, bis es kühler wird und entscheide dann, wie ich weiter vorgehe.
Die heissen Patientenzimmer sind ebenfalls eine eigene Diskussion wert, vor allem, wenn man sich wochenlang nicht duschen darf. Zumindest muss ich die derzeitige ganz grosse Hitze in keinem unklimatisierten Spital ertragen. Im Unfallkrankenhaus Meidling ist besonders originell, dass praktsich alles klimatisiert ist - nur die Patientenzimmer nicht. Auf Radio Wien wurde heute eh schon drüber berichtet.

Aja: Und heute hab ich die erste richtige Dusche seit 22. Juli :mrgreen: :mrgreen: :mrgreen:


#8

Heute ist ein Brief der Krankenkassa gekommen - mit einem Formular zum Ausfüllen.

Interessant ist das Feld "Ist der Fall polizeilich bekannt? ja/nein"
Ich schreibe da wohl drunter “Die Polizei wurde bereits vor Ort informiert, war aber weder bereit, meine Daten noch die Beschreibung bzw. Verfolgung des sich in unmittelbarer Nähe befindlichen Täters aufzunehmen, noch mich auf dem Weg zum Bahnhof Praterstern zu beschützen. Ob sich eines der beiden Spitäler mit der Polizei in Verbindung gesetzt hat, ist mir nicht bekannt.”


#9

Es gibt eine neue Entwicklung.
Völlig unerwartet hab ich kürzlich einen Brief erhalten, wonach ich mich an einem bestimmten Tag zu einer bestimmten Uhrzeit an einer bestimmten Polizeidienststelle als Zeuge vernehmen lassen muss. Sollte ich nicht erscheinen, habe ich mit rechtlichen Konsequenzen zu rechnen. Das scheint jedoch nur ein allgemeiner Abdruck zu sein, der eher für Fälle gedacht ist, wo viele Zeugen geladen werden. In meinem Fall bin ich ja der einzige Zeuge.

So und jetzt die 2 Kuriositäten:
Die Polizeidienststelle, zu der ich kommen soll, befindet sich in einem Bezirk, der keinerlei Bezug zu mir oder der Tat hat, jedoch zeigt die Postleitzahl dieser Adresse den Tatbezirk an.
Der Brief wurde nicht eingeschrieben geschickt und ist zu spät angekommen. Sollte das bei grossen Verhandlungen auch so praktiziert werden, ist es logisch, dass viele Zeugen nicht erscheinen.
Noch dazu hätte ich nach 4 Monaten nicht damit gerechnet, noch jemals von der Polizei kontaktiert zu werden.

Ich hab natürlich gleich dort angerufen, aber der entsprechende Beamte, der dafür zuständig ist, war nicht da, also soll ich an einem bestimmten Tag wieder anrufen und mir einen neuen Termin ausmachen.

Wäre ich gestorben, wäre ich sofort für Tage das Top-Thema in den Wiener Medien gewesen, aber nachdem ich nur lebensgefährlich verletzt war, wird das in der Priorität nach hinten gesetzt und verzögert sich als ginge es um eine Verhandlung über Falschparker oder Hundezonen (nix gegen Hunde) … :crazy_face:


#10

Wie erwähnt, war ich zur Zeugenaussage geladen.

Das war aber eine reichlich absurde Veranstaltung:
Ein Beamter tippt stundenlang im 2-Fingersystem 6 A4-Seiten, das mitgebrachte T-Shirt war nicht interessant, was Spuren betrifft, es wurde nur fotografiert und ein Anruf bei der Polizei am Tag des Geschehens ist laut Einsicht in den Computer auch nie eingegangen.
Ich habe dem Beamten erklären müssen, was ich gehabt habe. Medizinische Fachausdrücke waren ihm zu mühsam. Die deutschsprachige Übersetzung hab ich nicht parat gehabt. Letztlich scheint das nur als Lapalie betrachtet zu werden - ich lebe ja noch.

Eine Beschreibung des Täters war nicht Thema, dafür wurde ich penibel gefragt, was ich an dem Tag gegessen hab und insgesamt ist es mir so vorgekommen, als ginge es nur darum, möglichst viele Daten von mir abzufragen.

Ungeduldige und verständnisloses Nachfragen, ob ich nun zu den Polizisten vor Ort gesagt habe, ich sei geschlagen oder verprügelt worden (Zitat: “Na wos jetzt. Des müssns ja wissn”) - im Schockzustand und jetzt 4 Monate später soll ich also meinen genauen Wortlauft kennen - und warum ich nicht gesehen hab, ob der Täter wirklich ein Messer gehabt hat (ich hab natürlich nicht gewartet, bis er es hervorholt, wenn er es schon ankündigt) sind da nur ein Auszug. Ich bin mir eher wie ein Täter als ein Opfer vorgekommen und mehr wie in einem Verhör als in einer Opferbefragung. Verrückt das alles.

Ich kann mir gut vorstellen, dass mir der auf eine fiktive Aussage “Ich hab meinem Kumpel fürs Bungee Jumping absagen müssen, weil meine Grossmutter gestorben ist” verwundert entgegnet hätte “Wieso? Wär die auch mitgesprungen?”

Alles war klein geschrieben und grammatikalisch wie rechtschreiberisch miserabel. Selbst in der ausgebesserten Version war das noch so. Der Staat spart offenbar an Schreibkräften, wodurch so eine Vernehmung 4 mal länger dauert als notwendig. Dadurch können viel weniger Fälle bearbeitet werden, somit wird es für den Staat teurer.

Die Aussage “Ich sag Ihnen ehrlich, da wird nichts rauskommen” hat in mir den Gedanken “Na hoffentlich” aufkommen lassen. Ich hoffe, ich hab nie wieder was mit der Polizei zu tun.

Bei der Verabschiedung wurde mir noch gesagt, dass ich den zweiten Brief ignorieren soll. So wie der erste ist aber auch dieser sowieso wieder 2 Tage später angekommen als der Termin, für den die Vorladung angesetzt war.

:grin:

Der Amtsarzt (sogar mit Schreibkraft), zu dem ich dann auch noch verpflichtet war (wäre vorher sinnvoller, dann müssten die zu Vernehmenden nicht erklären, was sie genau gehabt haben) hat dann wieder menschlich reagiert und nur gemeint “Schaun’s dass des ausm Kopf kriegn”. Wäre nach 4 Monaten nicht diese Vorladung gekommen, hätte ich es eh längst geschafft, dann ist alles wieder hochgekommen.

Vielleicht lass ich das T-Shirt mal privat auf Spuren untersuchen. Eventuell taucht die DNA tatsächlich in einem anderen Fall auf. So wie ich den erlebt habe, ist er für mich ohne Weiteres in der Lage, einen Mord zu begehen, ohne es am nächsten Tag noch zu wissen.

Naja, Schlussstrich drunter - vorerst.